Donnerstag, 15. Januar 2026

Selbstbeschreibung

 Die Leute, die behaupten, ich würde mich für klug halten
sind dieselben die den Glauben an Reichsflugscheiben gut heißen.

Hier ein Gedicht, das mich für dich beschreibt
ich bin feinfühlig und ich seh gut aus!
voll Demut und voller Bescheidenheit 
wachs ich in meinen Worten hoch hinaus.

Wo rauer Wind durch leere Herzen pfeift
und andernorts der Scheidungsmarsch erklingt
wo man sich auf das Eine nur versteift
gelingt mir das, was keinem sonst gelingt!

Adonis Neid perlt an mir ab wie Fett
in einem antihaftbeschicht'en Topf.
Natürlich bin ich fabelhaft im Bett!
und hab dazu auch einiges im Kopf.

Mit mir erlebst du unerreichte Höh'n,
durchstehst du jedes noch so tiefe Tal
mit allem was ich hab wirst du verwöhnt
zu weniger lässt du mir keine Wahl.

Ich bin durch jeden Ozean geschwommen
lief über Hügel und durch Wüsten gelb
versetze Berge um zu dir zu kommen
hab sie danach wieder zurück gestellt.

Ich kann ein Pferd mit beiden Armen heben
kämpf gegen fünfzig Bären mit der Hand
Speis' Hungernde, lass Tote wieder leben
mein Tun bleibt dabei selten unerkannt.

Unglaublich schön und anmutig bin ich
ein wahrer Mann, der durch die Lande zieht
Und außerdem ist nicht unwesentlich
mein prächtiges und wunderschönes Lied.

So schalmeit es von dem Turm herab
ich bin so toll in allem was ich tue
selbst aus den Krypten und aus jedem Grab
Hör ich es schall'n: Lasst mich damit in Ruhe!

Nimm meinen Finger du in deinen Mund
schau mir tief in die Augen blau und rein
und wenn du dabei lachst ist das gesund
wird schon kein Popel dran gewesen sein.

Ich mag Humor so schwarz wie Teer
In Medizin und Geist lern ich beständig.
Zu zweit sein ohne Lachen wirkt nur leer,
erst durch den Witz wird es lebendig.

Sokrates Schüler, von Descartes und dem Maquis de Sade
werd ich zu deinem Meister auch, wenn du mich danach fragst.

Sonntag, 4. Februar 2024

Fritz Weile Bernstein, 1938 -2018, »Ein Zwischenfall«

Mangolds peinlichstes Erlebnis war ein großes Staatsbegräbnis. 
Ein Professor war gestorben, der Verdienste sich erworben. 

Nach der ersten Leichenrede trat ein Trauergast, dem jede Würde abging, dreist nach vorn, 
schnäuzte sich und roch nach Korn
 - sagt': »Moment mal!«, kriegt den Schluckauf 
- und beginnt dann: »Welcher Zulauf! 
Soviel Leben bei ner Leiche - ist, wenn ich es mal vergleiche, wie die Raben bei dem Aas. 
 Nichts für Ungut, war nur Spaß!« 

Darauf holt er aus der Tasche eine flache Weinbrandflasche, öffnet sie und sagt: »Hau ruck!« und nimmt einen tiefen Schluck,
fährt dann in der Rede fort: »Leichenbrüder, auf ein Wort! 
Diesen Schluck dem werten Toten, dem Freund Hein den Suff verboten: Prost!
Und nimm es mir nicht übel, wenn ich gleich noch einen kübel!
Sterben ist schon eine Straf'! Daß es gerade diesen traf ist für alle hier ein Glück. 
Schaun wir deshalb nicht zurück!
Prost, schön, dass wir noch alle leben, darauf lasst uns einen heben!

Seht, darin liegt kalt und starr, was einmal Professor war.
Ich bin nur ein schlichter Mann, aber sehr viel besser dran. Und doch, wenn ichs mir überlege,...«.

Hier wurd die Versammlung rege und zwei Männer holten stumm den Störenfried vom Podium.
Und noch an den Ausgangsstufen hat der Kerl zurück gerufen:
"Braucht die Witwe einen Trost, soll sie zu mir kommen, prost!"

Es erhob sich ein Tumult, daran war der Redner schuld vergiftet war die Atmosphäre. Wer weiß, was geschehen wäre, wenn nicht gleich ein Streichquartett die Beisetzung gerettet hätt'.

Samstag, 6. November 2021

Dein Hass ist die schönste meiner Plagen. 
Was manchen Schmerz und Leid bedeutet ja, ich werd es offen sagen. 
denn nicht jede Liebe ist käuflich. Stürm ungezier als Ungetier an mir vorbei, an mir vorüber!

Deine schwarze Galle spuckst du dennoch aus dir, aus irgend einem Loch. 
Und über mich hinüber. 
Deinen Hunger und den Hass kann ich nicht stillen. wie in nem Kriesengebiet. 
Dein Hass erwärmt so viele Stellen, warum teilst du ihn so selten mit? 

Es wird bei mir noch nicht mal finster in der Nacht 
Manchmal sitzt du ziemlich still da. Und siehst in die Ferne nur. 
Derweil werd ich bespuckt und verhöhnt 
Du siehst aus gutem Grunde zu, denn dich juckts nicht, gönnst dir nur lieber mal die Aussicht und auch du hast mal gestöhnt. 

 In meinem Traum seh ich dich lachen doch dein Lachen wird zum Krater, der uns beide wiederum vereint. und wir werden intimer und privater. 
Ich träume tausend wirre Sachen doch am Ende bist eben du, mein Schatz, ein Teil von dir und mit dir allein. 
 Ich liebs, wenn du mich hasst und mich besiegst. 
Wieviel Züge gibt es noch im Schach in deinem Kopf in der der weiße Turm die schwarze Dame kriegt? Wogegen du kämpfst kann ich nur ahnen. 
 Doch tu es lieber gegen mich, als anderen zu schaden. 
Ich kann noch bluten, hängst du erst am Strick, kannst du keinen mehr warnen, und schon gar nicht mehr mich. 
Und auch wenn mein Wille bricht, nichts ist schöner, als dein Hass. 
An meiner Stelle kannst du nicht sein und ich nicht an deiner - selbst wir zwei im Angesicht - leider. 
Dann gutes Leben und viel Spaß. Guten Miene zum bösen Spiel, oder andersrum, wie wars? 
Nichts war schöner, als dein Hass.

... eher so Benn-Style. 22.07.2021

Wie wuselnde Käferlarven auf Leichen so kribbelt es in meiner Brust
Dass Liebe so struntzdumm und blind machen kann hab ich selber noch gar nicht gewusst.
Erkenne ich sie schon von Ferne bemerke ich erst den Geruch, 
der aus meinen Socken und Achseln hervorquillt und riecht, wie ein Toter es tut.

Da drückt's mir auf einmal den Driss aus den Drüsen, da fehlt mir doch glatt mein Gebiss.
Da geht mir die Pumpe, da pfeift mir die Flöte, da is' mir doch alles geschiss. 

 Ich frag ich erst gar nicht, ob sie mich wohl wahrnimmt.
Ich koch, wie ein Hummer im Sud.
Bin rot und ich zittre, wie Muhammed Ali, denn mir fehlt ganz sicher der Mut.

Geht sie an mir vorbei? Hat das Leiden ein Ende?
Nein sie dreht sich, kann mich keiner warn'n?
Hebt ihr Kleid sie behände, sie lächelt mich an und lässt heimlich dann auch einen fahr'n.

"Hunger - 22.07.2021

Du sitzt und brodelst innerlich und in dir kocht es leise. 
Die Mimik zeugt der Seele nicht, du findest alles scheiße. 
Das dunkle Haar verdeckt den Blick, 
der nie verrät, was in dir tickt. 

Gelangweilt sagst den Namen du, dann fällt der Vorhang wieder. 
Ich merk ihn mir, ich hör dir zu und setz mich zu dir nieder. S
chaust in die Ferne fort und träumst Gedanken unbemessen.
 Wie könnt ich deinen Anmut dabei je wieder vergessen.

24.07.2021 Maß/ss(e(n)).

Wie eine junge, kleine Pflaume hart und voller süßem Fleisch
die Hand hält kurz über dem Saume, so schön und frech zugleich.
Ein Blütenmeer in ihren Augen, obgleich doch schwarz und feucht.
Heut Abend wird sie Liebe brauchen. Für mich ist das nicht leicht.

Sie blickt zu mir, der Blick ist leer, ich will mich an ihr laben.
Sie hat doch alles und noch mehr, Warum will sie mich haben?
Will sie mich wie ein Hurrikan in Unbedacht zerfleischen?
Ein Festakt ohne Wiederseh'n, das wird ihr wohl nicht reichen.

Und steh ich pyramidengleich ganz unten im Trophäenschrank
in letzter Reihe, federgleich. "Mit schönen Grüßen, vielen Danke!"

Der Wind zerzaust die Strähne ihr, entblößt so kurz, verschmitzt
ein warmes Lächeln, wie ein Tier, und dennoch scharf und spitz.
Komm verletz mich, schönstes Gift! Des Satans saftig Frucht.
Ich muss dich kosten, Schlangengift! Hab dich so lang gesucht.

So kalt, wie frisch gefall'ner Schnee und gleichsam unberührt.
So heiß, wie Feuer, Flammensee. Sie hat mich schon verführt.
Lass meine Qual nicht deine sein, mit dieser Liebe Kraft!
Du bist auch mit mir noch allein und ich bin leer und schwach.

Zerstöre ich die Zweisamkeit alleine durch mein Denken?
Schenk mir den reinen Wein des Leids ein! Lass mich von dir lenken.

Sonntag, 31. Oktober 2021

Das muss ich vor 2006 geschrieben haben...

Ich gehe sterben am Waldesrand sagte sie als sie sich auf den Weg machte.
Ich gehe sterben in einer Senke der Wiese
im Tau der Morgengräser
in der Kühle der Erde

Sie geht sterben am Waldesrand sangen die Vögel der Nacht
Wir werden sie auf die Klänge der Dunkelheit betten 
Sie geht sterben am Waldesrand flüsterten die Spinnen
Wir werden ihr ein seidenes Kleid weben
Sie geht sterben am Waldesrand wisperten die Würmer
Wir werden ihr ein weiches Lager bereiten
Sie geht sterben am Waldesrand raunten die Blätter
Wir werden ihr eine wärmende Decke sein
Sie geht sterben am Waldesrand summten 
die Lüfte
Wir werden sie in die Leichtigkeit tragen

Ich gehe sterben am Waldesrand sagte sie, als sie sich auf den Weg machte.