Mutmaßlicher Autor: Fritz Weile Bernstein, 1938 -2018, »Ein Zwischenfall«

Mangolds peinlichstes Erlebnis war ein großes Staatsbegräbnis.
Ein Professor war gestorben, der Verdienste sich erworben. 

Nach der ersten Leichenrede trat ein Trauergast, dem jede Würde abging, dreist nach vorn, 
schnäuzte sich und roch nach Korn
- sagt': »Moment mal!«, kriegt den Schluckauf 
- und beginnt dann: »Welcher Zulauf!« 

»Soviel Leben bei ner Leiche 
ist, wenn ich es mal vergleiche, 
wie die Raben bei dem Aas. 
 Nichts für Ungut, war nur Spaß!« 

Darauf holt er aus der Tasche
eine flache Weinbrandflasche,
öffnet sie und sagt: »Hau ruck!«
und nimmt einen tiefen Schluck.

Fährt dann in der Rede fort: 
 »Leichenbrüder, auf ein Wort! 
Diesen Schluck dem werten Toten, 
dem Freund Hein den Suff verboten.«

»Prost! Und nimm es mir nicht übel,
wenn ich gleich noch einen kübel!
Sterben ist schon eine Straf'! 
Daß es gerade diesen traf 
ist für alle hier ein Glück. 
Schaun wir deshalb nicht zurück!«

»Prost, schön, dass wir noch alle leben,
darauf lasst uns einen heben!
Seht, darin liegt kalt und starr,
was einmal Professor war.«

»Ich bin nur ein schlichter Mann, 
 aber sehr viel besser dran. 
Und doch, wenn ichs mir überlege,...«.
Hier wurd' die Versammlung rege

und zwei Männer holten stumm
den Störenfried vom Podium.

Und noch an den Ausgangsstufen
hat der Kerl zurück gerufen:
»Braucht die Witwe einen Trost,
soll sie zu mir kommen, prost!«

Es erhob sich ein Tumult,
daran war der Redner schuld.
Vergiftet war die Atmosphäre.
Wer weiß, was geschehen wäre,
wenn nicht gleich ein Streichquartett
die Beisetzung gerettet hätt'.

Selbstbeschreibung

 Die Leute, die behaupten, ich würde mich für klug halten sind dieselben die den Glauben an Reichsflugscheiben gut heißen. Hier ein Gedicht,...