Lost ist vorbei.

Lost hat hier zweierlei Bedeutungen. Zum einen steht es für das Ende der letzten Staffel...
Es ist direkt nach Wegzehrung entstanden.

Und jetzt
mach ich weiter wie immer
studieren und lesen
trainier'n, sublimieren
Hat damals ganz gut funktioniert.

Geh ohne zu lernen
aus dieser Geschichte
vernichte
Erinnerungen und Berichte,
täusch Taubheit vor, fragt wer nach dir.

Das Leben geht weiter
und bald schon erweist sich
dass "brauchen" und "lieben"
erstickbare Triebe sind

Die Sonne scheint heiter
ein Schimmer
das Erste und letzte
was ich von dir habe
trag ich heut noch immer.
Von beiden der kleinere Silberring
mit deinem Namen
glänzt an meinem Finger.

Wegzehrung

Eines der Gedichte, die der Melancholie eines Montagmorgen entsprungen sind.
Wie das meiste Gute eigentlich in einem Stück runtergeschrieben auf Papier im Hörsaal.
Ich dachte einen Augenblick daran es "Appetitverlust" zu nennen, fand dann aber, dass das dem Ganzen eine zu trübe Note gab.

Die Zwiebel, die immer ich schneiden sollte
Die Dose Mais, verstaubt, für uns're Pizza
(von denen wir mal zwei geschafft ham)
denn ich mag eigentlich keinen Mais.

Die braune Papiertüte
für die Sachen zum Backen
das hab ich behalten.

Blutorangensaft direkt und Brötchen
zum Frühstück an sonnigen Samstagen

und kürzlich fand ich im Froster
Mini-Cordon-bleus und Chickenwings

Die großen Portionen, die ich immer noch kaufe
noch koche und esse, weil dus nicht mehr tust.

Falls du mal kommst
spontan nach der Arbeit
mit Hunger
ist also noch was da für uns.
...keine Sorge!

Die Gedanken sind frei

Diesen Text habe ich in meinen Unterlagen gefunden.
So wie ich das sehe ist er von vor Mai 2005, schätzungsweise aber von 2004.
Ich glaube mich zu erinnern, dass mich damals etwas im Fernsehen dazu inspiriert hat diesen Text zu schreiben.


-Die Gedanken sind frei-
Albert im Rollstuhl. Der gelähmte Mann ist in seinem Filzmantel zusammengesunken, der aufgestellte Kragen reicht ihm fast bis über den weißen Haarkranz. Sein Gesicht ist reglos, leicht nach oben gerichtet um nicht hinter dem roten Schal zu verschwinden. Die Haut faltig, an einigen Stellen von kleinen Narben durchzogen. Kraftlos hängende Gesichtszüge, etwas zerknautscht zwischen Filz und Schal. Auf seinem Schoß die Decke aus Schafswolle, die seine nutzlosen Beine vor Frostbeulen schützen soll.
Albert ist auf Hilfe angewiesen, ständig. Nach seinem Unfall vor einigen Jahren blieb ihm gerade noch genug Kraft das Essen das man ihm einflöst herunterzuschlucken. Seit jenem Tag, als er von dem Laster erfasst wurde, ist jede Bewegung in ihm eingeschlossen. Elsa kümmert sich um ihn.
Manchmal weint sie, saß nächtelang neben seinem Bett im Krankenhaus. Pflegte ihn, als er nach Hause konnte, kratzte mühsam die schmale Rente der Beiden zusammen, für die Medikamente. Begann sogar wieder zu arbeiten, Kinder zu betreuen, wenn sie von der Schule kamen.
Sie wäscht ihn jeden Morgen, schüttelt sein Bettzeug auf und gibt ihm zu Essen, spricht mit ihm, obgleich sie weiss, dass er niemals wird antworten können.
49 Jahre sind sie bereits verheiratet. Das nächste Jahr würde das Goldene werden. Manchmal erinnert Elsa sich, wie er damals plötzlich vor ihrer Tür stand, mit einem Strauß Wildblumen in der Hand und einem schüchternen Lächeln im Gesicht. Obwohl ihr Vater im Zimmer war, lud er sie auf einen Ausflug mit dem Cabrio ein, fuhr mit ihr raus aufs Land um in einem Kornfeld um ihre Hand anzuhalten. Seither sind sie jeden Tag beisammen gewesen.
Auch wenn an ihrem Hochzeitstag nur der Rohbau ihres Hauses fertig war, war er nicht umhin gekommen, sie auf seinen Händen über die Schwelle zu tragen.
Seit dem Unfall muss sie ständig für ihn da sein, Albert den Pflegefall. Albert, den reglosen Krüppel, der unfähig auch nur zu lächeln. Jener Albert, aus dem Kornfeld. Der Albert, der Vater ihres Kindes. Albert, das Kreuz, Albert die Last. Albert, ihr angetrauter Ehegatte. Manchmal, wenn sie ihn ansieht ertappt sie sich bei der Frage, wieviel von Albert noch in diesem Elend steckt.
Jener Albert sitzt nun in seinem Rollstuhl, den Blick wie immer müde nach vorne gerichtet, teilnahmslos in die Ferne. Mitten in der winterlichen Dämmerung, mitten in der Kälte, auf dem Feldweg. Hinter ihm steht Jenny, die ihn mit viel Mühe über den steinigen Boden hierhergeschoben hat und wartet. Sie warten auf Elsa, die jeden Augenblick hinter der Biegung erscheinen kann. Und da ist sie. Kleine, unsichere Schritte in viel zu kalten Halbschuhen, den Daunenmantel bis oben geschnürt stolpert sie über Stock und Stein auf die Beiden zu.
"Huch, was macht ihr denn hier draußen? Es ist ja eisig kalt!", spricht sie, den Blick immer wieder auf den Weg vor ihren Füßen gerichtet um nicht zu fallen.
"Komm hierher, Mammi." ruft Jenny. Elsa legt die letzten Schritte zurück.
"Warum habt ihr mich denn hier heraus gerufen? Ist etwas passiert?" - "Beruhig dich, Mammi, es ist alles in Ordnung." Behutsam schiebt sie Albert in seinem Stuhl etwas nach oben. "Papa möchte dir etwas zeigen." Keine Regung in Alberts Gesicht. Jenny geht einige Schritte auf das Feld zu, das vor ihnen liegt und greift nach etwas am Wegesrand. Zwischen dem kniehohen Gras auf dem Feld blinken Lampen auf. In rotem Licht liest man die Lettern "Danke" zwischen gilblichen Halmen und Stroh. Elsa hebt erschrocken die Hand vor den Mund. "Oh mein Gott!"
"Das ist für dich. Von Papa." - "Oh mein Gott!" Elsa blickt ins Feld. "Das ist unser Kornfeld." - "Ich weiß. Papa wollte dir hier Danke sagen. Für alles, was du ihm bedeutest, für all deine Mühe mit ihm." - "Oh mein Gott!" Diesmal kullern Tränen unter den braunen Rändern von Elsas Brille hervor.
"Es hat lange gedauert, bis ich wusste was er meinte." Jenny ist zwischen ihre Eltern getreten und spricht nun leise. "Und ich ihm helfen konnte. Er hat dich unheimlich lieb, Mammi"
Sie schluchzt ein wenig. "Ich... ich..." - "Für deine Fürsorge, Mammi, und deine Liebe." Jenny legt ihr die Hand auf die Schulter. Albert blickt aufs Feld. Durch tränenverschwommene Augen sieht Elsa ihren Mann an, stolpert zu ihm, beugt sich über ihn. Umarmt ihn und küsst ihn. "Mein Albert..."
In Alberts Augen glänzen rote Buchstaben. Eine Träne rinnt seine Wange herab.
Albert ist noch nicht tot.

Original Mitschrieb

... aus dem Kurs "Medizinische Informatik". Nach und nach tröpfelten die Sätze zusammen und wenn wir noch mehr Kurstage gehabt hätten, ich bin mir sicher, dann wäre die Geschichte noch länger geworden. Ob ich sie noch weiter schreibe? Ja vielleicht, sobald Zeit ist. Der rote Faden ist schonmal gespannt.

Als der Junge erkannte, was er soeben mit eigenen Augen erlebt hatte, lief er aus dem Zimmer und auf das Dach des Hauses.
Seine Augen starrten leer gen Horizont, als er an den Rand des Dachfirsts trat. In seiner Hand baumelte die Puppe, deren Kleid bereits wieder zu verwelken begann, deren hölzernes Gesicht sich entfärbte, aschfaal und spröde wurde. Augen und Mund des Jungen standen stumm offen, die untergehende Sonne brach sich in seinem Blick. So stand er völlig regungslos und ließ Schweiß und Tränen auf seiner schmutzigen Haut trocknen. Bis er sich zu einem letzten schweren Atemzug, mehr einem Seufzen anhob, sich der kleine Körper bog und bäumte und sich vom Dach des Hauses abhob.
Die Arme ausgebreitet, den Kopf im Nacken brach der Junge an der Brust auseinander und eine riesenhafte Libelle zwängte sich aus der Hülle. Das bizarre Szenario spiegelte sich tausendfach in den lidlosen Facettenaugen wieder. Sechs stahlblaue Scheren verkrallten sich in den aufgeplatzen Leib, während das Insekt die unsichtbaren Flügel aus der Umklammerung des Brustkorbes befreite, bis sie in Regenbogenfarben schillerten, als seien sie aus Seifenblasen.
Mit einem Ruck drückte sich das Tier von seiner Hülle ab. Der Leichnam fiel zu Boden, zurück auf das Dach, wie ein nasses Kleidungsstück. Die Libelle jedoch erhob sich und flog unter immer leiser werdendem Brummen in die Abenddämmerung davon.
An der Seite des Jungen lag die alte Holzpuppe. Die Kleidung war nur mehr Fetzen, die bunte Lackierung fast vollständig verschwunden. Nur der Mund, als lächelnder Strich war noch zu erkennen.
Gerade als die Sonne ihre letzten Strahlen über den Horizont warf begann es zu regnen. Der Körper des Jungen jedoch veränderte sich unter den Tropfen, wurde dünner, blasser, löste sich auf und wurde abgewaschen, bis nichts mehr von ihm vorhanden war.

An einem vorüberziehen

Überarbeitet.

Es ist ein regnerischer Tag im Dezember. Das Geräusch des vorbeifahrenden Autos zieht sich in die Länge und wird zu einerm Rauschen, während einige braune Ahornblätter im Fahrtwind wippen. Andere fallen in wilden Spiralen von den Bäumen am Rande der Straße.
Der Asphalt ist an einigen Stellen dunkel vor Feuchtigkeit. Eine graue Wolkenschicht bedecke den Himmel. Nicht untypisch für diese Jahreszeit. Der letzte Regen liegt nicht lange zurück.
Er geht den gleichen Weg, wie jeden Tag. Soweit er denken kann war er immer schon diesen Weg gegangen. Als er jung war und die Schritte mit Schwung lenkte. Niemals hastig oder zu schnell, doch voller Neugier und Tatendrang. Als die Blätter noch grün waren an den Bäumen am Straßenrand und von der Frühlingssonne beschienen wurden. Er hatte das Gezwitscher der ersten Vögel gehört und Schneeglöckchen am Wegesrand gefunden.
Er ist alt. Sein Leben, es hatte bereits im vorigen Jahrhundert begonnen. Einmal schon um die Ecke quasi. Dort, wo man von hier nicht mehr hin sehen kann. Weit weg, wo der letzte Frühling, die warme Jugend man kaum mehr zu spüren ist.
Damals war alles anders.
Langsam setze er nun einen Fuß vor den anderen, beinahe andächtig. Er denkt daran, wie oft er hier gewesen war. Diese ersten unsicheren Schritte, wenn man gerade aus dem Haus kommt. Als Kind, da war er nur das kleine Stück bis zum Straßeneck gelaufen. "Nicht weiter!", hatte seine Mutter gesagt. Eine liebe Frau. Sie war an einem Dienstag gestorben, zwei Tage nach Weihnachten. Lungenentzündung. Damals konnte man eine Lungenentzündung nicht so gut behandeln wie heute. Es war eben alles anders.
"Nachher gehst du mir verloren", pflegte sie ihm zu sagen, wenn er besagter Grenze zu nahe kam, "Wenn du älter bist." oder "Die Straße ist nichts für Kinder." Ihm hatte das genügt. Lieber hatte er im Garten und auf den Feldern gespielt, als auf dem harten Asphalt. Über die Jahre hatte er Respekt vor dem Straßeneck bekommen, wollte gar nicht weiter.
Lange würde er diesen Weg nicht mehr gehen können, das Wetter hatte sich zusehends verschlechtert. Es wurde kalt, stürmisch und nass. Manchmal bekam er auch schon den ein oder anderen Tropfen ab. Das war nicht gut, das spürte er in den alten Knochen.
Über die Jahre hatte auch der Weg gelitten. Die Löcher im Asphalt waren größer geworden. An einigen Stellen war nachgebessert worden, doch der Weg war alt und lag abseits und die Stadt hatte nicht genug Geld, um neu teeren zu lassen. Und so weicht er nun den Pfützen und dreckigen Stellen aus, so gut es geht und erinnert sich an den Sommer. Als die Straße nicht nass und schmutzig waren, sondern trocken und heiß.
Er genoss es, wie die Sonne ihm ins Gesicht schien und er in den kühlen Schatten der Ahornbäume eintrat, jedes Mal. Wie er barfuss die kleinen warmen Steinchen spürte unter seinen Sohlen, die rauen und die glatten Stellen.
Er lauscht. Die Vögel haben schon lange nicht mehr gesungen. Damals, im Frühling, im Sommer, waren die Hecken und Bäume belebt gewesen vom Gesang der Rotkehlchen und Sperlinge.

Mit den Vögeln schien im Laufe des Herbstes auch die Lebendigkeit gegangen zu sein. Seither ist der Himmel wolkiger, die Luft kälter und der Weg einsamer.
Der Mann seufze und bleibt stehen. Im Frühling, im Sommer war der Weg voller Menschen gewesen. Menschen, die ihn begleitet hatten und die, die er ab und an getroffen hatte. Freunde und Bekannte, die mit ihm gegangen waren. Die spielenden Kinder und der Hund, oder der Postbote mit seinem Fahrrad.
Er hatte den Leuten zu gewunken, die in den Vorgärten Blumen hegten oder den Rasen pflegten. Er kannte die Menschen, junge und alte und sein Gruß wurde stets freudig erwidert. Eine kleine Gemeinschaft auf dem Weg.
Früher war er mit seinem Sohn hier gegangen. Doch der war nun fort. Wo genau, das wusste er nicht. Vielleicht hatte er seinen eigenen Weg gefunden, den er ging, dort wo er war. Vielleicht war der Weg ähnlich wie dieser. Vielleicht war es gerade Frühsommer gewesen, dort wo er war. Vielleicht nahm er nun schon seinen eigenen Sohn mit sich auf seinen Weg.
Wie gern würde er die Beiden nun bei der Hand nehmen. Er hat seinen Enkel nie kennen gelernt.
Schwer auf seinen Stock gestützt geht der Mann einige Schritte weiter. Bis zur Abzweigung kann er sehen, dort mündet der Feldweg, der ihn über den Hügel und zurück nach Hause bringt. Ein endloser Weg, wie ihm schien, aber es ist und war ihn keine Last.
Für einen Augenblick fliegt ein Lächeln über sein Gesicht, als er sich erinnert. Einige Male war er den Weg im Laufschritt gegangen, zu seiner sportlichen Zeiten und dann hatte er zu Hause kehrt gemacht und war ihn noch einmal gelaufen. Mit dunklem Fleck auf dem T-Shirt war er dann heimgekehrt und hatte sich gut gefühlt.
Als der alte Mann den Kopf in den Nacken legt und den Himmel betrachtet schwebte die erste zarte Schneeflocke auf ihn zu und landet auf seiner Stirn. Er lächelt und hält die behandschuhte Hand auf, noch eine oder zwei der spärlichen Winterboten zu fangen. Er lacht wieder, fällt in ein Husten und schnell zieht er den Schal um seinen Hals wieder zurecht und die Schultern hoch.
Auf den wenigen Meter zur Abzweigung fällt mehr Schnee und als er sich umdreht, die Straße zurückblickt, erkennt er den Weg nur durch einen Vorhang aus Schneeflocken. Es war ein guter Weg, denkt er bei sich. Alles wird weiß, die Zäune, die parkenden Autos, die Häuser. Die Hecken und die Briefkästen und die leeren Ahornbäume. Die Menschen werden zugedeckt und die Erinnerungen an die Menschen.

Dieses letzte Stück des Weges, jenes Stück abseits der Straße über den Hügel, liegt vor ihm. Wo hinter ihm der Asphalt und die Menschen waren, da liegt vor ihm die Ruhe und die Natur. Hinter ihm das Leben, das Erleben, das Tanzen und Singen. Hinter ihm Verkehr, die Stadt, der Trubel.
Schritt für Schritt betritt der Mann den Feldweg. Es wird stiller um ihn und friedlicher. Das Graue, Harte, die scharfen Konturen der Stadt, er lässt sie zurück und stapft dahin. In das, was weiches Grün zu sein pflegte, einst, im Sommer. Die hohen Gräser am Wegesrand, die im Vorbeigehen an den Beinen strichen, der Löwenzahn, verschmitzt zwischen den Steinen hervor wachsend. Schmetterlinge, die ihn ein Stück des Weges begleiteten. Der wilder Hafer, der sich im lauen Spätsommerwind wog. Schotter hier und da auf dem Weg, einmal ein Geldstück, dass jemandem verloren gegangen war.
Hier ist ihm, als würde die Zeit etwas langsamer vergehen als in der Stadt. Dieser Teil des Weges ist leise und ursprünglich. Hier vergehen die Sorgen, wenn der Blick über das Land gleitet. Lärm wird hier leiser gedreht und so hört man das Zirpen der Grillen, oder das Rascheln im Gras. Obwohl der kürzeste Teil des Weges, so dauerte dieser gewöhnlich etwas länger, bevor er durchschritten ist. Nicht, weil er unwegsam ist, nein! Vielmehr, weil man hier gerne stehen blieb, dem Flüstern der Natur lauscht, etwas langsamer geht.
Doch jetzt liegt alles unter einer weichen Schneedecke und selbst der kleine Pfad ist kaum noch auszumachen. Nur die Bilder in seinem Kopf leiten ihn, wie all die Jahre. Leiten ihn sicher die Steigung hinauf, von wo aus man den Überblick hat, über die Straße, den Weg, das Leben.
Etwas mühsam ist es doch, den Hügel zu erklimmen für den alten Mann. Mehrmals hält er inne, Atemwolken ausstoßend und mit schweren Schultern. Denkt gar einmal daran umzukehren, doch diesen Weg nicht zu Ende gehen zu können bringt er nicht übers Herz. In seinen alten Lungen schmerzt die eisige Winterluft, es wird kalt in seiner Brust. Seine Beine, er kann kaum mehr das Bein heben, das Knie anwinkeln und seinen Körper stützen.
So zieht er sich an seinem Stock hoch, langsam Stück für Stück den weißen Hügel hinauf, inmitten weißer Flur.
Das ist kein gutes Zeichen, er spürt die Jahre, die auf ihm lasteten. Er spürte, als er den Hügel erklimmt, dass es Zeit ist heimzukehren. Anzukommen, endlich. Und so wird er sich noch einmal zwingen aufzusehen. Die Schneeflocken werden ihm ins Gesicht treiben und ihm die Sicht nehmen, doch er wird alles so klar sehen, wie noch nie.
Wann wird er den Weg zum ersten Mal gegangen sein? So genau wird er sich nicht daran erinnern können, aber er wird wissne, es wird lange, lange her sein und die Sorglosigkeit von einst wird auf einmal zurückkehren. Nichts wird mehr wie damals sein, aber das dennoch in Ordnung.
Noch einmal wird es ihm in der Brust stechen, als müsste sie zerspringen. Noch einmal wird er keuchen.
Noch einmal wird er zurück des Wegs blicken, SEINES Wegs.
Er lächelte und ging. Lächelt und kehrt, alt und müde wie er ist und sein wird, endlich und für immer heim!

Amsterdam

Die Liebe fällt nicht nieder, einfach so,
noch dass man gänzlich ausgeliefert wäre.
Doch wurzelt sie, treibt munter sie und froh
kann keine Axt sie fäll'n und keine Säge.

Die Liebe ist im tiefen Herz ein Ort,
ein Raum, zu dem man den Geliebten führt.
Man läd ihn ein zu bleiben und gibt ihm sein Wort,
dass dieser Raum nie abgeschlossen würd'.

Es ist der Platz im Herz, der immer frei,
der über Wut, Distanz die Liebe hält.
Egal was immer kommt, was plötzlich sei
ein Abschied, Tränen, Zorn, die große Welt.

Vernebelt Angst und Wut die eig'nen Sinne
und scheint der And're noch so falsch und fern
noch senken kann man jederzeit die Stimme
und sagen: Ich liebe dich! Ich hab dich gern!

Die Liebe kommt und verlässt dich nicht
wie ein Gefühl, oder wie eine Laune.
Die Liebe ist Gewissheit, die nie bricht,
ist zäh wie Teer und weich wie eine Daune!

Abrechnung

Musst du dich
jedes Mal verkleiden
dich heimlich
zwischen rein schleichen,
wenn du kommst?

Und warum kommst du
immer unpunktlich
immer ungünstig
und immer zu spät?

Werd ich
einmal zur rechten Zeit,
einmal bereit sein,
wenn ich dich seh?

Kannst du nicht
vom Schattendasein absehen
ins Licht gehen
damit man dich erkennt

bevor
die Zeit vorbei
und ich allein
und mir wieder nichts
bliebe.

Kannst du das für mich tun,
Liebe?

Selbstbeschreibung

 Die Leute, die behaupten, ich würde mich für klug halten sind dieselben die den Glauben an Reichsflugscheiben gut heißen. Hier ein Gedicht,...